| SoZSozialistische Zeitung |
Es ist ein besonderes Buch, weil diejenigen, die
es gemacht haben, ein besonderes Leben führen, das sich vom Leben anderer junger Menschen unterscheidet.
Denn die Jugendlichen leben in einem Wohnheim am Rande der Stadt. Sie sind mit ihren Eltern aus dem Kosovo
geflüchtet. Manche leben erst seit zwei Jahren in Deutschland, andere schon fünf Jahre, manche noch
länger. Wie lang sie noch bleiben können, weiß niemand, denn ihnen droht als lediglich
»Geduldete« die Abschiebung. Doch dass niemand von ihnen in den Kosovo freiwillig zurückkehren
wird, darin sind sich alle einig.
Denn die jungen Buchmacher gehören zur
ethnischen Volksgruppe der Roma. Und die sind im Kosovo unerwünscht. Ihre Häuser wurden verbrannt,
ihre Angehörigen verfolgt. Auch in Deutschland will man mit »Zigeunerkindern« nichts zu tun
haben. Deshalb handelt das Buch auch von Antiziganismus, Rassismus und Vorurteilen in Deutschland.
Das Buch hätte ohne Hilfe niemals das Licht
der Welt erblickt. Geholfen hat der Verein »Interkulturelle Bildung und Soziale Arbeit im Stadtteil
e.V.« (IBiS), der seit vielen Jahren Stadtteilarbeit mit Migrantinnen und Migranten macht. Ursula Birgin
von IbiS und Künstlerin Monika Wieczorek haben in einjähriger Projektarbeit das Buch gemeinsam mit
den Jugendlichen geschrieben und gestaltet.
So ist ein ganz besonders Buch entstanden, ein
Buch, das nicht nur in deutscher Sprache, sondern auch in Romanes verfasst ist die Sprache der Roma.
Deshalb trägt es den Titel Vakeres Romanes? Sprichst du Romanes? Da die Roma in der ganzen Welt
verteilt leben und viele Dialekte besitzen, hat Übersetzer Nedjo Osman versucht, eine gemeinsame Sprache
für alle zu finden, damit es von allen Roma gelesen werden kann.
Das Buch ist eine gute Gelegenheit, sich aus
erster Hand über Alltag und Denken der Roma zu informieren, sich von manchem Vorurteil und Klischee zu
befreien und ist auch für die politische Arbeit gut einsetzbar.